Low Cost Safari

Man (und ich auch) mag es kaum glauben: es ist schon wieder Wochenende. Und ich habe das Gefühl, diese Woche (fast) nichts getan zu haben. Was ein wenig der Wahrheit entspricht. Für heute habe ich mir vorgenommen, eine “Low Cost”-Safari zu machen. Da ich 3 Monate unterwegs bin und die ganzen Safari- und Nationalparkaktivitäten hier doch ziemlich teuer sind, werde ich ab und zu Dinge unternehmen, die Einheimische theoretisch auch machen könnten. Und die dementsprechend wesentlich günstiger sind.

Auf dem Boda boda

Heute ist das Wetter schön, sogar ziemlich warm und ich kann problemlos ein Motorrad-Taxi (boda boda) ins Tal nehmen. Zu Dritt fahren wir die gut 1 Stunde bis in die nächste Stadt Kasese. Da es fast nur bergab geht, kann ich zumindest nicht hinten runter fallen. Ansonsten ist die Fahrt ein ziemlicher Balanceakt, macht aber trotzdem Spass.

Kaktus

In Kasese suche ich mit dem Fahrer ein Auto, das mich weiter nach Katwe bringt. Das ist ein kleiner Ort direkt am Lake Edward, der zudem umgeben von Nationalpark liegt. Ziemlich schnell findet sich ein Auto, das mich für kleine 10.000 UGX (2,50 Euro) mitnimmt. Ok, die Leute wollen Ihr Auto vollbekommen, deshalb finden sich nach kurzer Zeit deutlich mehr Leute als Plätze im Auto.

Lake Edward

Nach einiger Zeit erreichen wir den QENP (Queen Elizabeth National Parc), wo ich letzte Woche schon war. Diesmal nehmen wir aber eine Schotterstrasse quer durch den Park, um ins Dorf zu kommen. Der Witz ist, dass für diese Route keine Gebühr für den Nationalpark fällig ist, auch wenn wir durch offenes Gelände denselbigen durchqueren. Leider sind wegen der Hitze tagsüber nur relativ wenige Tiere zu sehen.

Die Salzseen von Katwe

Nach einiger Zeit kommen wir endlich in Katwe an. Das ist ehrlich gesagt ein total verlassenes Kaff und ich habe schon Angst, dass ich hier gar nichts unternehmen kann. Mein Bradt-Reiseführer hat zwar etwas anderes behauptet, aber im Internet waren fast gar keine Information über Katwe verfügbar. Doch zu meiner Überraschung hat mich der Taxifahrer direkt am Tourist Office abgesetzt, wo ich direkt empfangen wurde. Auf einmal hab es 3-4 Leute, die mich über die touristischen Aktivitäten in der Stadt aufklären konnten.

Flösser auf dem Salzsee

Höhepunkt ist die Besichtigung der Salzseen, wofür die Stadt berühmt ist. Ich könnte ansonsten noch einen Stadtrundgang machen und ans Ufer des Lake Edward zu den Fischerbooten gehen. Die ursprünglich angebotene Bootstour wurde leider mit Corona wegen Gästemangels eingestellt. Und mit einem Fischerboot kann ich nicht einfach rausfahren, da das wegen der wilden Tiere wie den Hippos erst bei einer Behörde angemeldet werden muss.

Salz auf meiner Haut

Ich starte aber erst einmal mit der Salzsee-Tour für 10 US-$. In mittlerweile brütender Hitze geht es zu einem Kratersee, der schon seit Jahrhunderten zum Salzabbau benutzt wird. Schon aus der Ferne sehe ich die vielen kleinen abgesteckten Becken zum Salzabbau. Laut Information meines sehr inormativen jungen Guides gibt es über 10.000 solcher Becken und diese werden von Generation zu Generation innerhalb der Familien weitervererbt. Als wir näher an den See kommen, sehe ich, was für ein schmutziges Geschäft der Salzabbau ist.

Alles Salz

Neben dem hohen Salzgehalt enthält der Krater nämlich auch jede Menge giftige Gase und es riecht ziemlich übel. Außerhalb der Becken wird zudem Salz vom Boden abgebaut. Dazu fahren Männer mit Flössen raus und stossen das Gestein vom Boden ab. Es ist alles andere als gesund, sich länger als nötig in dem See aufzuhalten, aber trotzdem sehe ich die Männer bis zur Nasenspitze unter Wasser. Einige tragen zwar Gummistiefel und Latexschutz, trotzdem sehe ich viele ungeschützte Körperstellen. Den Frauen, die in den Becken arbeiten, wird zudem geraten, nicht während der Periode dort zu arbeiten, da das Wasser schwere Störungen der Fruchtbarkeit auslösen kann. Ich denke mir, dass das Wasser nicht nur während der Periode schädlich ist.

Salzarbeiter

Nachdem wir die schon jetzt unter der glühenden Sonne flirrende Salzlandschaft hinter uns lassen, sieht der Guide eine Schlange und warnt mich lauthals davor. Leider ist die größere Schlange da schon im Busch verschwunden. Ich sage ihm, er soll mir lieber erst leise Bescheid geben, damit ich zumindet vorher ein Foto machen kann. Denn bisher ist mir hier noch keine Schlange begegnet.

Raststätte für Vögel

Später kommen wir noch an einem zweiten Kratersee vorbei, der mit einem nicht ganz so hohen Salzgehalt glänzt. Dafür ist er wohl ein beliebter Landeplatz für alle Arten von Zugvögeln. Da aber auf der nördlichen Halbkugel der Frühling (hoffentlich) eingezogen ist, ist gerade nicht der richtige Zeitraum. Trotzdem bekommen wir jede Menge Flamingos zu sehen, die hier Dauergast zu sein scheinen.

Fernglas Trick


Nach weiteren 30 Minuten ist der sehr ausführliche und empfehlenswerte Rundgang beendet. Es ist mittlerweile schon nach 17 Uhr und der Guide empfiehlt, lieber jetzt ein Taxi zurück zu nehmen. Denn nach Einbruch der Dunkelheit fahren fast gar keine Verkehrsmittel mehr den Weg zurück nach Kasese. Denn den meisten ist der Park bei Nacht zu gefährlich. So wurde mein Guide im Dorf schon einmal nachts von einem Leoparden auf Ziegenjagd überrascht, als er sein Handy abhören wollte. Er ist schnell zum Haus gerannt, trotzdem hat die Wildkatze an der Tür gekratzt und gefaucht.

Ankole Rinder

Ich muss den Ausflug zum Lake Edward auf das nächste Mal verschieben und warte statt dessen auf das letzte Auto nach Hause. Wie auf der Hinfahrt gibt es wieder deutlich mehr Passagiere als Plätze, vorne sitzen wir zu Viert. Aber alles Damen, was hier geruchsmässig schon ein Vorteil ist, vor allem wenn wir so eng aufeinander hocken.

Full house

In Kasese genieße ich ein Abendessen in einem ziemlich modern anmutenden Restaurant. Es gehört zum Sandton Hotel, was hier zu den besseren Adressen gehört. Schnell schreitet der tropische Abend voran und bald ist es wieder fast zu spät, um noch ein Motorradtaxi nach Hause in die Berge zu finden. Doch es findet sich ein wagemutiger Junge, der die sehr weite Fahrt (vor allem bei Dunkelheit) akzeptiert. Obwohl er bisher noch nie an diesem Ort in den Bergen war. Wahrscheinlich hat er seinen Mut bereut, denn je höher wir kamen, desto kälter wurde ihm in seiner dünnen Jacke. Bei mir ging es komischerweise, wahrscheinlich weil ich im Windschatten saß. Aber es war schon ein heißer Ritt und ich habe wieder sämtliche Sicherheitsbedenken über Bord geworfen.

Sonnenuntergang über Kasese

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